Es war Schule. Sonderbarerweise das Gebäude der Realschule, zumindest der Umriss, der Innenbau war lediglich sehr ähnlich.
Innen gab es auch ein PZ, aber zu Chemie-, Physik-, und sonstigen Fachräumen musste man in den Keller gehen.
Ich hatte Pause und lief meine übliche Runde von Eingang A bis Haupteingang über den Schulhof, um Zeit zu verschwenden. Oder, viel mehr, um zufällig Tobias auf dem Schulhof zu treffen - der zufällig auch auf die gleiche Schule ging.
Das schaffte ich jedes mal, zumindest sah ich ihn immer mal. Aber ich bemerkte einmal nicht, wie er mich begrüßte und bin weiter gegangen. Er ist mir nicht hinterher, aber er hat mir einen dicken Wälzer zugesteckt, den ich ihm zurückgeben wollte.
Also stand ich dann in einer Ecke, von der aus ich einen relativ großen Überblick hatte, und hielt nach ihm ausschau – über die Pause hinweg.
Der Unterricht hatte längst begonnen, ich lief also irgendwann doch ins Gebäude zurück und hinunter, da ich Chemie hatte – bei meiner aktuellen Chemielehrerin Frau G. Frau G. kam mir die Treppe hoch entgegen und ich sagte ihr, das mir schlecht war und ich deswegen noch nicht im Unterricht erschienen war. Sie aber sagte, das ich das hätte vorher melden sollen und ging weiter. Ich also in den Raum, setzte mich zu Sonja, dann kam ein weiterer Lehrer hinein und sagte uns, dass wir jetzt Frei hätten.
Dachte ich mir: Was machste jetzt? In der nächsten Pause kannste Tobi das Buch geben. Willst es ja nicht nochmal mitschleppen.
Also rannte ich ins PZ, als die Pause begann – ich beeilte mich total, um ihn ja nicht zu verpassen, streifte dabei aus versehen wen, als ich bremste.
Naja, Ausschau haltend stand ich also da und sah ihn nicht, und dann dachte ich mir, ich sollte herum gehen und weitergucken.
Da sah ich die Tash. Und sie suchte die gleiche Person. Da kam er auch schon an, stand auf einer Stufe und breitete die Arme aus. Ich zog ihn runter, damit wir auf einer Ebene waren (bequemer zum Umarmen) und begrüßte ihn und gab ihm das Buch und er hatte lauter Englische Bücher – selbst sein Mathebuch war auf Englisch! Alle seine Schulbücher waren auf Englisch. Als ich ihn fragte warum, sagte er, sein Englisch sei so schlecht, das er das jetzt so lernen will.
Dann musste er plötzlich ins Krankenhaus und Tash und ich warteten in einem Flur an einer Bank. Da setzte sich ein anderes Mädel zu uns und laberte uns zu.
Ich hatte dann Kopfschmerzen und bekam Tabletten von ihr, nahm sie, es wurde besser. Ich lief herum und schaute mir alles ein bisschen an.
Da fragte das Mädchen: „Ist hier eigentlich ein Tobi?“ (Wortwörtlich!)
Und Tash verneinte es. Da ging ich zurück zu den beiden und das Mädchen laberte wieder, und ich deutete ihr, das ich was sagen wollte. Ich wollte sie fragen, ob sie unseren Tobi meinte. Aber ich kam nicht dazu, mir wurde Schwindlig, Schwarz vor Augen und ich fiel um.
Aber ich war sofort wieder wach. Lag noch da, mir blieb es jetzt ne Weile schwindelig. Die Krankenschwester, die kam, sagte nur was zu uns, und kümmerte sich nicht darum, dass ich da lag.
Gut, dann stand ich auf, schwankte zur Bank, setzte mich. Meine Güte, war mir schwummrig.
Das Mädchen ging wieder weg.
Dann war Tash auch weg – ich saß plötzlich ein paar 100 meter vom Krankenhaus entfernt, welches plötzlich ein Arbeitsamt war, auf einer Bank.
Über dem Arbeitsamt waren noch ein Neckermann und noch einige andere kleinere Sachen drüber waren. Es war beinahe ein Wolkenkratzer.
Statt Tash und dem Mädchen waren Klassenkameraden von mir da, auch A.L., die mit dem Rücken zu mir stand und sich die Hosen heruntergezogen hatte, um mit den Händen an ihrem Po rumzuspielen, damit er wackelte. Sie fand das lustig, und ich gab ihr dafür einen Klaps drauf. „Ey“, sagte sie, grinste mich an. Und ich erwiderte nur „Du provozierst es doch“…
Daraufhin ging ich zu dem Secondhandshop an der Ecke, der auf Sachen spezialisiert war, die richtung Afrikanisch/Orientalisch gingen.
Da wollte ich schon immer mal rein, jetzt wollte ich die Gelegenheit nutzen und da rein. Doch direkt vor meiner Nase schloss die Besitzerin die Tür. Geschlossen. Na-Toll. Ich ging ein paar meter weiter, schaute ins Schaufenster und musste plötzlich ein stück Glas ausspucken. Eine Glasscherbe von einer Murmel! Die ich wohl verschluckt haben musste. Nur wann?
Ich ging zurück um die Scherbe in den Müll zu werfen. Dies getan, rannte ein Hund hinunter und bellte. Das Bellen klang nach „Weg! Stern!“
Und wir wussten sofort, was los war. Wir mussten hier weg. Und ja nicht richtung Arbeitsamt, da kam nämlich der Hund her.
Unsere eingeschlagene Richtung war direkt die Straße runter. Wir rannten also los, da stellte sich eine ältere Frau in die Straße. „Ich habs immer gesagt“, sagte sie, in ihrer alten, röchelnden Stimme, „In dieser Straße wohnt das Böse!“
So komisch, so gut – ich lief also weiter runter. Trotzdem machte ich mir weiter Sorgen um Tobi – war er nicht noch da drin? Meinetwegen, es war gerade ein Arbeitsamt, aber Tobi war noch immer da. Ich drehte mich um, blieb stehen und warf einen Blick zum Gebäude. Da hang jemand am Fahrstuhl, der ausserhalb des Gebäudes fuhr. Ein Mädchen, dass ihr Vorstellungsgespräch gleich bei Neckermann haben sollte. Mein Fokus also auf das Mädchen, würde für sie gerne das Gebäude umdrehen, stelle mir vor, was dann passieren würde.
Dann bin ich weiter und an einer Stelle vorbei, wo sie eine art Versorgungszelt aufgebaut hatten. – Dabei war lediglich gerade das Arbeitsamt in Terroristenhand gelangt, das war doch noch gar kein Krieg.
Und auch hier kam eine alte Oma. „Seit 1933″, tadelte sie, „Seit 1933 bin ich auf dieser Welt und noch nie war es so schlimm wie Heute!“
Laber nur, Alte.
Ich bin weitergegangen.
Und das Weckerklingeln des Handy erweckte mich aus diesem langen Traum. Danke, sonst könnte ich mich vielleicht gar nicht erinnern. 